DFG-VK Gruppe Witten
Brot statt Bomben -Krieg ist keine Lösung
Resolution des Bundeskongresses der Deutschen Friedensgesellschaft
ö Vereinigte Kriegsdienstgegner vom 4.11.2001
Wenn nicht schnell gehandelt wird, werden nach Schätzungen von
Hilfsorganisationen in diesem Winter einhunderttausend afghanische Kinder
verhungern oder erfrieren. PolitikerInnen, die dies in Kauf nehmen, dürfen
für sich nicht in Anspruch nehmen, einer "zivilisierten Welt" anzugehören.
Für den völkerrechtswidrigen Einsatz von Streubomben, die weite
Flächen vemlinen, für Bomben auf Krankenhäuser und Lebensmittellager
kann es keine Rechtfertigung geben.
Der Bundeskongress der DFG-VK setzt sich für einen sofortigen
Waffenstillstand in Afghanistan und die Aufnahme politischer Verhandlungen
ein. Vier Wochen nach Beginn der Bombenangriffe auf afghanische Städte
wird immer deutlicher, wovor PazifistInnen von Anfang an warnten: Dieser
Krieg ist ein Angriff auf die Zivilbevölkerung. Er zerstört nicht
die Kommandostrukturen einer Terrororganisation, sondern die Lebensgrundlagen
des ärmsten Landes der Erde. Deshalb kann er nicht mit einem "Recht
auf Selbstverteidigung" begründet werden.
Die DFG- VK fordert daher von der Bundesregierung:
-
sich gegenüber der US-Regierung für einen sofortigen Stopp der
Angriffe einzusetzen;
-
umgehend Mittel für humanitäre Hilfe für die afghanische
Zivilbevölkerung zur Verfügung zu stellen;
-
jegliche Form der Unterstützung für diesen Krieg einzustellen
und damit auch keine Bundeswehrsoldaten für kriegerische Handlungen
zur Verfügung zu stellen;
-
sich für eine Friedenslösung für den gesamten mittelasiatischen
Raum einzusetzen.
Gemeinsam mit Friedensorganisationen in den USA und in vielen anderen Ländern
fordern wir die Regierungen der USA und Großbritanniens auf, unverzüglich
alle Kriegshandlungen einzustellen und die Versorgung der Not leidenden
Zivilbevölkerung in Afghanistan nicht länger zu gefährden.
Wir wissen, dass die Bevölkerung in Afghanistan und insbesondere
die Frauen und ihre Kinder unter dem undemokratischen und religiös-fanatischen
Regime der Taliban ebenso leiden, wie unter den Folgen von über 20
Jahren Krieg und Bürgerkrieg. Wir machen jene, die nun das Taliban-Regime
militärisch zerschlagen wollen, für seinen Aufstieg verantwortlich.
Ihnen geht es nicht nur um Vergeltung, sondern auch um den Zugang zu den
großen ÖI- und Erdgasreserven in Zentralasien. Die heutigen
Feinde der USA wurden von westlichen Militärs und Geheimdiensten ausgebildet
und aufgerüstet. Auch den heute als Terroristenführer gesuchte
Bin Laden galt einst als Freiheitskämpfer und wurde von der CIA gefördert.
Der Krieg gegen Afghanistan ist als Maßnahme für die Ergreifung
Bin Ladens untauglich und unverhältnismäßig. Selbst US-
Verteidigungsminister Rumsfeld bezweifelt inzwischen, dass er militärisch
gewonnen werden kann. Dennoch sterben täglich Menschen bei den Luftangriffen
und an ihren Folgen.
Der Gefahr von terroristischen Anschlägen muss politisch und nicht
militärisch begegnet werden, Sicherheit für die Bevölkerung
kann und darf nicht auf Kosten der Demokratie angestrebt werden. Aus den
Menschen verachtenden Anschlägen auf das World-Trade-Center und das
Pentagon ist vor allem die Lehre zu ziehen, dass Sicherheit eben nicht
militärisch herzustellen ist. Auch die höchsten Rüstungsausgaben
und die stärkste Armee der Welt hat die USA vor den Angriffen nicht
schützen können. Sicherheit muss vor diesem Hintergrund neu gedacht
werden. Die DFG- VK wehrt sich dagegen, die Anschläge zum Anlass zu
nehmen um Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken und die Überwachung
der Menschen in Deutschland zu intensivieren. Insbesondere lehnen wir alle
Maßnahmen ab, die die Rechte von Flüchtlingen weiter einschränken
sollen oder die dazu beitragen, Rassismus und Ausgrenzung zu fördern.
Konkret bedeutet dies:
-
Wir wollen keine erkennungsdienstlichen Maßnahmen (Fingerabdrücke
etc.) weder für Deutsche noch für AusländerInnen;
-
wir lehnen den Einsatz der Bundeswehr im Inneren ebenso entschieden ab
wie eine Militarisierung der Polizei;
-
Abschiebung von AusländerInnen allein auf einen Verdacht hin halten
wir für unvereinbar mit der rechtsstaatlichen Unschuldsvermutung.
AusländerInnen dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden.
Das Asylrecht für politisch Verfolgte muss wieder uneingeschränkt
in Kraft gesetzt werden. Deserteure müssen aufgenommen, Desertion
als Asylgrund anerkannt werden. .
-
In Deutschland fehlt es nicht an Geheimdiensten, doch haben sie bisher
noch keine politisch motivierten Straftaten verhindert. Deshalb lehnen
wir eine Erweiterung geheimdienstlicher Kompetenzen, ihre Vermischung mit
polizeilichen Aufgaben und eine Verringerung rechtsstaatlicher Kontrolle
ab.
-
Vor Attentaten mit Massenvernichtungspotenzial kann die Bevölkerung
nur geschützt werden, wenn die Atomkraftwerke sofort abgeschaltet
und alle ABC-Waffen weltweit vernichtet werden Gerade die USA, die trotz
der Milzbrand-Anschläge weiter nicht auf den Besitz und die Produktion
atomarer und biologischer Waffen verzichten will, so11te hier mit gutem
Beispiel vorangehen.
-
A11e Firmen, Betriebe und Institutionen, die über Know-how und Technik
für die Herste11ung von atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen
verfügen, müssen überwacht werden -nicht die einfachen BürgerInnen.
-
Es so11en völkerrechtliche Verhandlungen unter Führung der UNO
zur Auslieferung der Verdächtigen geführt werden. Diese müssen
vor ein internationales, unabhängiges Gericht geste11t werden.
Langfristig kann dem Terror nur mit einer solchen globalen Politik die
Zustimmung entzogen werden, die das Überleben aller unter menschenwürdigen
Bedingungen sicher ste11t und für Frieden, Demokratie und soziale
Gerechtigkeit weltweit eintritt. Regionale Krisenherde und lang anhaltende
Bürgerkriege bilden den Nährboden für Hass und Gewalt. Ein
besonders deutliches Beispiel ist der Konflikt zwischen dem israelischen
Staat und den palästinensischen Organisationen. Hier bedarf es besonderer
internationaler Anstrengungen, um den Friedensprozess wieder zu beleben
und zu einer Lösung zu finden, die Israels Existenzrecht ebenso gewährleistet
wie das Recht der Palästinenserlnnen auf Selbstbestimmung und Rückkehr
der Flüchtlinge.
In kaum einem Industriestaat erreicht die Entwicklungshilfe die von
der UNO geforderten 0, 7% des Bruttosozialproduktes erreicht. Statt dessen
wird vielfach weiterhin die Aufrüstung der Entwicklungsländer
durch Militärhilfe, Ausbildung und Rüstungsexporte gefordert.
In Deutschland sind die Ausgaben für die Entwicklungshilfe unter der
rot-grünen Regierung weiter gesunken. Sie erreichen nur noch knapp
50% des UN-Richtwerts. Angesichts dessen, dass täglich 24.000 Menschen
an Hunger sterben ist dies ein Skandal.
Für die PazifistInnen in der DFG- VK ist der mörderische
Krieg in Afghanistan ein Anlass, eine Umkehr in der Entwicklungs-, Außen-
und Sicherheitspolitik zu fordern. Statt einer Bundeswehr, die weltweit
für die Interessen der Wohlhabenden in Kriege zieht, fordern wir nun
erst recht glaubhafte Schritte zur Abrüstung. Diese schließen
ein:
-
eine nennenswerte Reduzierung der Personalstärke der Bundeswehr und
die ersatzlose Abschaffung der Wehrpflicht;
-
das Ende des Umbaus der Bundeswehr zu einer Interventionsarmee, die Abschaffung
der Einsatzkräfte und der Stopp sämtlicher damit zusnmenhängenden
Rüstungsprojekte;
-
den Stopp aller Rüstungsexporte und die Umstellung der Rüstungsindustrie
auf die Produktion ziviler Güter;
-
die schrittweise, dauerhafte Verringerung der Rüstungsausgaben zu
Gunsten sozialer Sicherheit und ziviler Konfliktbearbeitung;
-
die Abschaffung aller Massenvernichtungswaffen;
-
eine spürbare Aufstockung der Finanzmittel für Methoden, Instrumente
und Maßnah1nen der zivilen Konfliktbearbeitung;
-
verstärkte Förderung der Friedens- und Konfliktforschung um Gefahren
für den Frieden rechtzeitig zu erkennen.
Langfristig strebt die DFG- VK die Auflösung der Bundeswehr und aller
Armeen an-
Frieden kann nicht mit Krieg gesichert, Terror nicht mit Gewalt begegnet
werden. Militär als Mittel der Politik abzulehnen und auf ziviler
Konfliktlösung zu bestehen ist keine Haltung von Utopisten, sondern
der einzige Ausweg aus der Gewaltspirale.
Stoppt den Krieg jetzt! Brot statt Bomben!
Schritte zur Abrüstung statt neuer Rüstungswettlaufl
Zurück
zur Startseite der DFG-VK Witten