Wittener
Friedensforum
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Lena Bröckl, ATTAC Deutschland (Rede bei Demo 13.10 in Berlin):
 

Der Weg zum Frieden kann nicht Krieg sein. Der Weg zu dauerhaftem Frieden heißt soziale Gerechtigkeit. Die Wirklichkeit sieht anders aus: 1,2 Milliarden Menschen müssen mit einem Dollar oder weniger täglich überleben. Mit der Globalisierung hat sich das Auseinanderdriften zwischen Nord und Süd, Arm und Reich beschleunigt. Von den angeblichen Chancen der Globalisierung konnten nur die wenigsten profitieren, z.B. die 200 reichsten Personen der Welt, die ihr  Vermögen zwischen 1994 und 1998 auf mehr als eine Billion Dollar verdoppelt haben. (...)

Nach dem 11. September haben die Politiker des Westens eine globale Allianz gegen den Terror geschmiedet, aber wo bleibt die globale Allianz gegen die Armut? Wann werden den armen Ländern so bedingungslos die Schulden erlassen, wie jetzt bedingungslos der Schulterschluss im Kampf gegen den Terrorismus geübt wird? Wo  bleiben die milliardenschweren Sofortprogramme zur Bekämpfung von  Kindersterblichkeit? Die Lebenserwartung sinkt wieder. Weil du arm bist, mußt du früher sterben!

Führende Politiker des Westens, angefangen von Ronald Reagan über Margaret Thatcher und Tony Blair bis Hans Eichel haben diese Entwicklung aktiv betrieben und tun dies noch. Mit Hilfe der Strukturanpassungsprogramme von IWF und Weltbank werden die Entwicklungsländer in die neoliberale Globalisierung hineingezwungen.

Diese Art von Globalisierung, die nur wenige Gewinner und sehr viele Verlierer produziert, die Armut, Elend und schreiende soziale Gegensätze hervorbringt, ist der ideale Nährboden für Hass, Fanatismus, Gewalt, Krieg und Terror. Die Erkenntnis ist nicht neu, das wissen wir spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 1929.

Das heißt nicht, daß Hass, Fanatismus und Gewalt auf ökonomische Ursache allein reduziert werden können. Bin Laden ist schließlich vielfacher Millionär. Andere Faktoren, politische und kulturelle spielen ebenfalls eine bedeutsame Rolle. Da sind der Palästina-Konflikt, aber auch die wirtschaftsstrategischen Interessen des Westens am Öl in der Golfregion. Und die USA beteiligen sich seit 25 Jahren am Krieg in Afghanistan, da geht es um ganz andere Dinge als um Terrorismus.

(...) Wir lassen uns von Konformitätsdruck und Festungsmentalität nicht einschüchtern. Und schon gar nicht lassen wir uns in eine Reihe mit Terroristen stellen, wie es Berlusconi versucht hat. (...) wir sind für Solidarität: für Solidarität mit den Opfern von Terrorismus und Gewalt, für Solidarität mit der Friedensbewegung in den USA, für bedingungslose Solidarität vor allem aber mit den ökonomischen Verlierern der neoliberalen Globalisierung. Kampf der Armut, nicht den Armen!