Wittener
Friedensforum
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Veranstaltung des Friedensforums Witten am 12.12.2001
Stichworte des Referates von Dietrich Weinbrenner

These:

Die extrem ungleiche Verteilung von Lebenschancen für die Menschen in der Welt und die Ohnmacht der Betroffenen, dies zu verändern, ist ein Nährboden für Gewalt und Terorismus.

Ich habe von 1987-1990 in Tanzania, einem der ärmsten Länder der Welt gelebt und gearbeitet. Wir (Familie mit drei kleinen Kindern) wurden in unserem Haus überfallen und ausgeraubt. Hier sind wir ³Mittelstandã, in einem solchen Land sind wir extrem reich. Armut und Reichtum sind dort direkt nebeneinander.
Menschen, die in Not sind, die keine Chance haben, ihre Grundbedürfnisse zu erfüllen, geschweige denn ein erfülltes Leben zu führen, können zur Gewalt greifen, in extremen Fällen auch zu Terrorhandlungen.

Wir alle wissen, dass das so ist, dass der Reichtum in der Welt ungleich und ungerecht verteilt ist. Einige Beispiele:
 

Thema Wasser:

Kürzlich fand in Bonn eine internationale Süßwasserkonferenz statt.
1,2 Mrd. Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, eine Quelle von Krankheiten.
Jeden Tag sterben 6000 Kinder an Leiden, die durch Wassermangel oder verseuchtes Trinkwasser verursacht werden.
2,4 Mrd. Menschen kennen keine sanitären Anlagen.
Der Wasserverbrauch ist extrem unterschiedlich:
Pro Klospülung fließt mehr Wasser durch die Schüssel, als die Durchschnittsbürgerin in einem Entwicklungsland täglich zum Waschen, Kochen und Trinken zur Verfügung hat.
Im Schnitt verbrauchen die Einwohner von Entwicklungsländern 10 l Pro Tag, in Großbritannien sind es 135 l.
 

Thema Verschuldung:

Die Länder der ³Dritten Weltã sind in unvorstellbarer Höhe bei den reichen Ländern des Nordens verschuldet.
Die aufgelaufenen Zins- und Tilgungszahlungen sind so hoch, dass sie sich aus eigener Kraft niemals aus dieser Falle befreien können. Die Leidtragenden sind die Armen in diesen Ländern, denn der Schuldendienst macht eine Grundversorgung der Bevölkerung unmöglich.
Beispiel Uganda: 3 Dollar für Gesundheitsversorgung und 17 Dollar für Schuldendienst pro Jahr (90er Jahre)
Ähnlich läuft es in vielen Ländern
Folge: Immer weitere Verelendung in der ³Dritten Weltã.
 

Thema Arbeitsbedingungen der Menschen, die für Konzerne der Industriestaaten arbeiten

Fakt: Immer weitere Auslagerung von Produktion in Billiglohnländer, wo ³investitionsfreundlicheã Bedingungen herrschen.
Beispiel Textil und Sportkleidung. Ich habe selbst vor zwei Jahren in Indonesien mit ArbeiterInnen gesprochen, die u.a. für Adidas arbeiten:

Lohn DM 1,52 pro Tag
Beispiel Arbeitszeit: 90,5 Wochenstunden, d.h. 13 Stunden bei 7-Tage-Woche
Erniedrigungen und (sexuelle) Belästigungen, Menstruations-Nachweis
Misshandlungen
Fehlender Arbeits- und Gesundheitsschutz
Erzwungene Schwangerschaftstests ö Entlassung bei Schwangerschaft

Grund für all das: Erreichung hoher Profite und guter Rendite für die AktienbesitzerInnen: Share-Holder-Value
 

Dies sind nur einige Beispiele für die soziale Situation in unserer Welt, die ein Nährboden für Gewalt und Terror ist. Wir müssen uns fragen, wie sich die betroffenen Menschen fühlen, ausgeschlossen und ohnmächtig (s.These).

Es muß also neben der Bestrafung der Täter des Terrorismus auch um die Bekämpfung der Ursachen gehen: Armut, Ungerechte Verteilung der Lebensmöglichkeiten.
Wir brauchen eine Humanisierung der Globalisierung, die bisher vor allem den Reichen Industriestaaten nützt.

Dies sagen nach dem 11.September laut immer mehr Menschen aus Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Ganz offensichtlich sind grundsätzliche Veränderungen in Wirtschaft und Politik nötig, denn es wird immer klarer, dass die internationale Gemeinschaft mit all ihren Organisationen, Regelungen und Maßnahmen es nicht geschafft hat, Gerechtigkeit und
Mehr Lebenschancen für die Menschen zu erreichen.
 

These:

Die Haltung der Kirchen: Es gibt nicht ³dieã Haltung der Kirche. Doch es gibt eine Richtung und eine Tendenz.
Nach den Geschehnissen des 11.September


Es gibt aus dem kirchlichen Bereich eine Fülle von Stellungnahmen.

³Verboteneã Fragen, die gestellt werden müssen:
 

Zwei Literaturhinweise für globale Zusammenhänge:

1. Bericht über die menschliche Entwicklung, hrsg. V.d. deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, UNO-Verlag Bonn.
Wird jedes Jahr neu herausgegeben, jeweils unter einem anderen Hauptthema. Eine Fundgrube!

2. Die Zeitschrift ³epd-Entwicklungspolitikã, erscheint zwei Mal im Monat, Abo 132 DM pro Jahr, Adresse: Gemeinschaftswerk der Ev.Publizistik, Emil-von-Behrung-Str. 3, 60439 Frankfurt/Main, Tel 069/58098-138