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Wittener
Friedensforum |
Erklärung des IG Metall-Jugendausschusses zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington
Mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass sich bei den Anschlägen in New York und Washington eine neue Dimension terroristischer Gewalttätigkeit offenbart hat. Unter Berufung auf ein Weltbild, das einem eindimensionalen Freund-Feind-Schema folgt, wurden tausende Menschen brutal ermordet. Es beunruhigt uns jedoch, wenn jetzt eine gewaltige Kriegsmaschinerie in Gang gesetzt wird. Denn trotz der Abscheu über dieses durch nichts zu rechtfertigende Verbrechen können wir nicht ohne Widerspruch zusehen, wie in dieser Situation mit alten, längst überwunden geglaubten Rezepten reagiert wird.
Wir wenden uns deshalb gegen jegliche militärische Maßnahmen. Ebenso deutlich lehnen wir die in verschiedenen Erklärungen angekündigte Aushebelung demokratischer Rechtsstaatsprizipien ab. Darüber hinaus halten wir die spontan beschlossene Verschiebung der Diskussion und Verabschiedung eines Zuwanderungsgesetzes in der Bundesrepublik für falsch. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die aktuelle Situation ausgenutzt wird, um den ohnehin äusserst restriktiven Gesetzesentwurf des Bundesinnenministers noch weiter zu verschärfen.
Wir sind beunruhigt über die geistige Pogromstimmung gegen alle Menschen, die auch nur den Anschein erwecken, arabischer oder asiatischer Herkunft zu sein. Dies hat in den USA bereits zu ersten Todesopfern geführt. Wir setzen uns als IG Metall-Jugend aktiv gegen Diskriminierung und für den Schutz aller hier lebenden Menschen ein.
Wir
setzen alles daran, die anhaltende Gewaltspirale zu durchbrechen. Andernfalls
besteht sowohl im alltäglichen Zusammenleben der Menschen als auch
im globalen Kontext die Gefahr einer sich immer weiter steigernden gegenseitigen
Aggression. Die möglichen Folgen wären eine nicht mehr kontrollierbare
Steigerung der terroristischen und militärischen Auseinandersetzungen.
Die verabscheuungswürdigen Attentäter vom 11. September 2001
hätten ihr Ziel einer immer weiteren Zuspitzung erreicht.
ivile
Gesellschaften sollten gerade in dieser Situation mit zivilen Maßnahmen
reagieren, anstatt einer Vergeltungslogik anheimzufallen. Jetzt wäre
die Gelegenheit, die dominierende Rolle der westlichen Welt, insbesondere
der USA, gegenüber allen anderen Zivilisationen deutlich zu korrigieren.
Es gilt sowohl das ökonomische Ungleichgewicht zu beseitigen, als
auch die Teilhabe aller Staaten an weltpolitisch relevanten Entscheidungen
zu gewährleisten. Kulturelle Unterschiede sind zu akzeptieren und
als gleichwertig anzuerkennen. Zur notwendigen Verurteilung beweiskräftig
ermittelter Mittäter und Hintermänner gibt es keine Alternative.
Notwendig sind rechtsstaatliche Prozesse und Verurteilungen wie sie beispielsweise
nach dem Bombenattentat auf ein US-Passagierflugzeug über den schottischen
Lockerbie stattgefunden haben.
Wir teilen die Trauer und Ohnmacht aller Betroffenen. Doch die Vergangenheit lehrt uns: Gewalt erzeugt immer nur neue Gegengewalt. Deshalb gibt es für uns als IG Metall-Jugend gerade jetzt keine Alternative zu wirklich zivilisierten Lösungen. Gebt Hass und Gewalt keine Chance!
Einstimmig
beschlossen - Fulda, den 20. September 2001