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Wittener
Friedensforum |
"Nicht Rache, sondern Verteidigung"
- Frank Bsirske mahnt zu Besonnenheit nach Terrorakten
Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
Zu Besonnenheit und zur Abwägung der Folgen eines militärischen Einsatzes gegen die Verantwortlichen des Terrors von New York und Washington mahnte der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Frank Bsirske. Auf einer Sitzung des ver.di-Gewerkschaftsrats sagte er: "Es geht nicht um Rache, sondern um Verteidigung."
Er forderte eine international koordinierte Politik, die sich daran macht, den Nährboden aus Ohnmacht, Verzweiflung und Demütigung zu beseitigen, der den Terrorsekten ihren Nachwuchs zuführt. Eine wichtige Rolle käme dabei einer menschlicheren und demokratischeren Version der Globalisierung zu. Seine Gewerkschaft werde deshalb an ihrer globalisierungskritischen Position festhalten. Einer Politik, die die Gestaltung der Globalisierung den Marktkräften überlässt, müsse die Idee einer sozialen Globalisierung entgegengesetzt werden. Dem Terrorismus müsse durch zivile Maßnahmen, durch eine Stärkung des internationalen Rechts und durch einen Interessenausgleich zwischen den armen und den reichen Ländern der Boden entzogen werden. Es sei eine zentrale Aufgabe nicht zuletzt der Europäer, eine Politik der Konfliktlösung zu betreiben und die Strategie einer internationalen Isolierung der Palästinenser zu durchkreuzen.
Ein militärischer Einsatz müsse
erkennbar auf die Verantwortlichen des Terrors und ihre Infrastruktur gerichtet
sein, so Bsirske. "Es gibt einen Unterschied zwischen der Bombardierung
Kabuls und der Zerstörung terroristischer Ausbildungslager." Eine
militärische Antwort auf die Herausforderung des Terrorismus müsse
vom UNO-Sicherheitsrat mitgetragen werden und so selektiv sein, dass sie
Urheber, Hintermänner und Förderer der Attentäter, nicht
aber Unschuldige treffe. Deshalb dürfe eine militärische Aktion
auch nur auf der Grundlage von Beweisen stattfinden, die vor der Weltöffentlichkeit
bestehen könnten. Allerdings seien Zweifel angebracht, ob es irgendeine
militärische Vorgehensweise gebe, die diese Form des Terrorismus entscheidend
schwäche.
Die in den Terrorakten offenbar
gewordene Arroganz, gespeist aus religiösem Fundamentalismus und apokalyptischen
Phantasien, ziele darauf, Zivilgesellschaften zu destabilisieren, Menschen
tief zu verunsichern und ihnen Sicherheit zu nehmen. Es sei daher notwendig,
die Sicherheitslage auf den Prüfstand zu stellen. Er warnte jedoch
davor, hierbei "das Kind mit dem Bade auszuschütten." Der ver.di-Vorsitzende
betonte: "Wir müssen sehr kritisch sein gegenüber Stimmen, die
in der deutschen Innenpolitik keinen Stein auf dem anderen lassen wollen,
den Einsatz der Bundeswehr im Innern sowie die Aufhebung der Trennung zwischen
Geheimdienst und Polizei fordern und Datenschutz in einem Atemzug mit Terroristenschutz
nennen." Seine Gewerkschaft werde darauf achten, dass "die Freiheit, die
wir verteidigen, nicht auf dem Altar der inneren Sicherheit geopfert wird."
ver.di werde sich weiterhin für eine gesetzliche Zuwanderungsregelung
einsetzen und sich aktiv darum bemühen, den Zusammenhalt deutscher
und ausländischer Kollegen zu erhalten. Es gelte, die in Deutschland
lebenden Muslime, von denen mehrere Zehntausend Mitglied bei ver.di seien,
vor Diffamierung und Übergriffen zu schützen.